Bundeswehr-DM: Wegtreten zum Box-Gefecht

Zum zweiten Mal finden Anfang April die Deutschen Meisterschaften der Bundeswehr in Warendorf statt. Und die Titelkämpfe boomen, hat sich ihre Teilnehmerzahl gegenüber dem Vorjahr noch einmal verdoppelt.

Im Vorjahr siegte Oberleutnant Alexander Cyrus (r.) im 92-Kilo-Finale des Bundeswehr-DM gegen Leutnant Enes Seidu. (Foto: Sportschule der Bundeswehr Warendorf)


Kurzer Rückblick, 14. April 2023. Der Hauptgefreite Yoku Hanson springt auf das Podest und reckt die Siegerfaust. Er ist müde, abgekämpft, aber glücklich. An dem Tag gehört er zu denen, die Sportgeschichte schreiben. Hanson ist der erste Box-Champion der Bundeswehr im Halbmittelgewicht seit ihrer Gründung am 12. November 1955.

Ein Jahr später, vom 2. bis zum 5. April 2024, wird Hauptfeldwebel Marcus Abramowski nunmehr die zweiten Titelkämpfe ausrichten. Abramowski ist der Motor des Boxsports in der Bundeswehr, die ihre Meisterschaft wie im Vorjahr erneut in der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf ausrichtet. Boxen ist bei den Streitkräften überraschend populär. Allein die aktuellen Teilnehmerzahlen lassen aufhorchen. So haben sich die Meldungen von 40 auf 88 mehr als verdoppelt, die der Frauen beinahe verdreifacht. Im letzten Jahr wurden bei den Männern acht Goldmedaillen vergeben, aufgeteilt auf A- und B-Klassen. Diesmal werden es 15 sein.

Einer, mit dem zu rechnen ist, ist David Müller. Der 36-jährige Unteroffizier war während seiner aktiven Zeit einer der Besten im Deutschen Boxsport-Verband. Sieben erste, ein zweiter und vier dritte Plätze auf Deutschen Meisterschaften gehören genauso zu seinen sportlichen Meriten wie eine Vize-Europameisterschaft. Müller boxte für Nordhausen in der Bundesliga und war von 2010 bis 2013 Sportsoldat. 2014, nach 189 Kämpfen, gab er sein Karriereende bekannt.

Bundeswehr-DM: Yoku Hanson will es wissen

Ein Freund erzählte David Müller von dem Wettbewerb. Daraufhin meldete er sich spontan bei Abramowski für das Halbmittelgewicht an. Nach Dienstschluss hängt er in der Sporthalle seiner Kaserne einen Sandsack an einen Haken und prügelt auf ihn ein. Das dumpfe „Wumm“ der Einschläge dröhnt in der Halle. Nur Müller kann es hören, denn bei seiner Vorbereitung ist er allein. Kein Coach, keine Sparringspartner. Nur er und der Sandsack. Seine Einsamkeit im Training hat etwas von der Rocky-Balboa-Sentimentalität.

Schlagkräftige Truppe: die Teilnehmer der letztjährigen Militär-DM der Bundeswehr. (Foto: Sportschule der Bundeswehr Warendorf)

Über Titel möchte der Unteroffizier nicht sprechen: „Ich bin zu lange raus und schaue einmal, wer dabei sein wird.“ Zwei, auf die er definitiv treffen wird, nahmen an den ersten Titelkämpfen teil. Der eine ist Yoku Hanson, der sich beim Berliner TSC vorbereitet und bei der ersten Meisterschaft von Dominik Thiemke sekundiert wurde. Hanson brennt darauf, seine Goldmedaille zu verteidigen. Der andere ist der Vorjahresdritte, Oberfähnrich Justus Schlemmer. Er wird bei der Vergabe von Gold, Silber und Bronze ebenfalls ein Wörtchen mitsprechen.

Wie Müller gehörte der Oberstabsgefreite Anatolij Popp zur ersten Garde der deutschen Faustkämpfer. Mit 140 Gefechten im Startbuch trat Popp letztes Jahr im Superschwergewicht an und bezwang im Halbfinale den Oberfeldwebel Jakob Luft. Bei einem Aufwärtshaken brach sich Popp die Mittelhand und trat zum Finale nicht an. Wenn Popp vom Verletzungspech verschont bleibt, ist er dieses Jahr einer der Topfavoriten in der „Königsklasse“. Auf Oberfeldwebel Luft wird er diesmal nicht treffen, dieser boxt im leichteren Schwergewicht. Jan Ualikhanov ist im Weltergewicht gemeldet und einer der teilnehmenden „Box-Giganten“, die in ihrer Karriere mehr als 100 Kämpfe bestritten. In der Bundesliga tritt der Oberstabsgefreite für die „Wölfe“ des BC Chemnitz 94 an.

Warum sind die Militär-Boxmeisterschaften eigentlich so populär? Für die einen ist es die Möglichkeit, sich mit den ehemals Besten zu messen, mit denen, die als Amateure zur deutschen Box-Elite gehörten und, unerreichbar, in ihrer eigenen Liga kämpften. Der Ehrgeiz, gegen sie anzutreten und vielleicht zu siegen, ist das Salz in der Suppe. Die mit weniger Erfahrung treibt vermutlich der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles! Und genau das ist das Ziel von Marcus Abramowski.

Text: Wolfgang Wycisk